winter?
 
das ist (k)ein wintergedicht
draußen kein schnee, kein klirrender frost
der atem kondensiert nicht zu dampfwölkchen,
wenn mann/frau aus der haustür tritt,
keine schneekönigin im schneeflockenschlitten
will weiter nach norden
nur dumpfgraue kälte & smog in der luft
(von winzig-giftigen wassertröpfchen gereizt,
ziehn lungen sich empört zusammen)
davor regnete es tage- & wochenlang,
regen putzte städtische hässlichkeit blank
schon darf mann/frau dankbar sein,
dass nebel die stadt gnädig verhüllt -
ist das richtiger winter?
der fluss ist nicht zugefroren
niemand, der schlittschuh auf ihm liefe wie einst,
als wir in unseren dicken winterstiefeln 
sein eis schlitternd blankpolierten,
du & ich 
manche liefen elegante bögen
manche drehten pirouetten
wir aber strengten uns an, auf den beinen zu bleiben
das ist lange vorbei
kein schnee, keine königin…
aber okay – nehmen wir an, es sei winter
weihnachten ist vorüber,
auch silvester & neujahr,
feste, die in die kalte jahreszeit fallen
(auf unserer erdhalbkugel zumindest)
streng meteorologisch
bewirkt der neigungswinkel der erdachse
gegen die erdumlaufbahnebene (23,4°)
sonnenabgewandtheit:
d.h. dunkelheit, d.h. kälte
rein wissenschaftlich ist bei uns winter,
aber ein ungefühlter
auf der anderen seite der kugel, bei den antipoden,
viel zuviel hitze & wütende buschbrände
- wahre höllenfeuer -
zum jahreswechsel 2019/2020 rann bei uns
kaltes wasser vom himmel hoch aus wolken tief
winter ward regenzeit 
ratten laufen über schwarzen nassen asphalt
der steigende flusspegel trieb sie aus ihren löchern
villen stehn deutschlandfahnengeschmückt,
sondern dumpfe altherrenkälte ab
wir aber gewöhnen uns
der mensch ist ein gewohnheitstier
was aber ist mit den ratten?

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